Giroflex

Drehen und Nachgeben

Noch ist nichts entschieden: Sollte allerdings das Bundeskartellamt zustimmen, gehört Stoll Giroflex bald Triton. Damit greift die Beteiligungsgesellschaft erneut nach einem Büromöbelhersteller, wie schon beim Kauf von Scandinavian Business Seating im Jahr 2014. SBS wurde vor Kurzem in Flokk umbenannt, ein Hinweis darauf, dass da noch mehr kommen könnte als Stühle. Zu den Investoren bei Triton soll übrigens auch die Ikea-Familie Kamprad gehören. Will man mehr zum Deal erfahren, wird's schwierig. «Kein Kommentar» heisst es von Triton. Und auch der jetzige Chef von Giroflex, Frank Forster, gibt sich wortkarg. Nur so viel: Die Prüfungen würden bis Mitte Juli noch andauern.
 
Das Unternehmen hat Geschichte: 1926 machte Albert Stoll II., Sohn des Firmengründers Albert Stoll I., eine Erfindung, die bis heute Bestand hat. Er schuf den sogenannten Federdreh, den ersten Drehstuhl mit einer Abfederung. Das Prinzip des Drehens und Nachgebens gab dann 1948 der Firma den Namen «Giroflex». 1977 ging die Firma über ein Management-Buy-out zu gleichen Teilen an Urs Forster und Erwin Hort. 2012 wurde der Umsatz mal mit rund 65 Mio Euro beziffert.
 
Es folgten schwierige Jahre: René Walpen musste dem Unternehmen eine «Fitness-Kur» aufzwingen, wegen des schlechten Frankenkurses und einer Konkurrenz mit höherer Kosteneffizienz. Spekulationen zum Fortbestand der Stoll Giroflex AG machten die Runde.
 
Im Februar 2016 verkaufte Erwin Hort seinen Giroflex-Anteil an Urs Forster, da klang es noch so, als sei alles langfristig geplant. Jetzt habe man die «Kontinuität des Unternehmens, des Standortes Koblenz und der Arbeitsplätze gewährleistet», hieß es. Und: Die Unternehmensleitung mit René Walpen an der Spitze sollte bestehen bleiben. Frank Forster, Sohn von Urs Forster, wurde in die Verwaltungsräte der Gruppengesellschaft gewählt. Dort werde er sich «sukzessive» in die «Tätigkeiten der Stoll Giroflex AG» einarbeiten.
 
Jetzt ist Frank Forster am Ruder. Im Oktober 2016 ist Walpen bei Giroflex raus und hat bei Vitra angedockt, als Präsident für Nordamerika. Wie der Kurs in Zukunft aussieht, wird sich wohl in einigen Wochen entscheiden. Drehen und Nachgeben könnte das Motto lauten.

Datum: 23. Juni 2017
Quelle: Inside