Die Migros stellt gleich vier Töchter ins Verkaufsregal

Die Schweizer Migros-Gruppe will sich gleich von vier Töchtern trennen. Dazu zählen neben der Warenhaus-Gruppe Globus, dem E-Bike-Spezialisten m-way, der Accessoires-Kette DEPOT (Gries Deco Company) auch die Möbel-Tochter Interio.
 
Der Grund laut Migros-CEO Fabrice Zumbrunnen: Man wolle verstärkt in das strategische Kerngeschäft und den Onlinehandel investieren. «Unsere fundierten Analysen haben gezeigt, dass diese Unternehmen ausserhalb der Migros-Gruppe bessere Erfolgsaussichten haben. Die Migros ist heute nicht mehr die beste Eigentümerin», so Zumbunnen.
 
Mindestens zwei Sorgenkinder
Mindestens zwei der vier im Verkaufsregal stehenden Unternehmen sind schon seit längerem wahre Sorgenkinder des Konzerns. Allein Globus musste im Jahr 2018 rund 90 Millionen Schweizer Franken abschreiben. Bei der Bilanz-Pressekonferenz im März dieses Jahres sagte Zumbrunnen, er gebe Globus noch zwei Jahr um auf Erfolgskurs zu kommen. Er zog jedoch schon jetzt die Konsequenzen. Das mag auch dem letzten Ergebnis geschuldet sein: Die Migros hatte 2018 bei 28,3 Mrd. Franken Umsatz 475 Mio. Franken Gewinn gemacht, das schlechteste Ergebnis seit 15 Jahren.
 
Interio: "Nicht genügend Synergien, nicht die kritische Grösse»
Auch für die elf Interio-Filialen sieht Zumbrunnen «bessere Erfolgsaussichten mit einem neuen Betreiber», da nicht genügend Synergien mit der Migros vorhanden seien. Ausserdem habe Interio sich «im wettbewerbsintensiven Möbelmarkt leider nicht wie geplant entwickelt» und hätte «nicht die kritische Grösse für eine nachhaltige Entwicklung». Unabhängig davon müsse das Interio-Wohncenter in Emmen bis spätestens Ende März 2020 seine Türen schliessen, weil der Mietvertrag auf diesen Zeitpunkt auslaufe und ein wirtschaftlicher Betrieb bei den örtlichen Mietverhältnissen «leider nicht möglich» sei.
 
In der Schweiz wurde schon seit drei Jahren über den Interio-Verkauf spekuliert. Laut Schweizer Handelszeitung leidet Interio schon seit über zehn Jahren an Umsatzschwund. Mehrere Korrekturversuche scheiterten. Nach einer ersten Beteiligung bei DEPOT im Jahr 2009 warf die Migros Interio mit DEPOT zusammen und rüstete die Interio-Filialen mit schnell drehenden DEPOT-Sortimenten auf, aber auch das half wenig. Schon 2011 wurden DEPOT und Interio wieder getrennt. 2016 prüfte die Migros die Fusion von Interio mit der erfolgreichen Möbel-Tochter Micasa, aber auch dieser Plan blieb in der Schublade. Mitte 2018 dann der letzte Versuch mit einem neuen Konzept, das in der Interio-Filiale Spreitenbach umgesetzt wurde. Das stationäre sollte mit dem Online-Geschäft verbunden werden. Aber auch das scheint nicht mehr geholfen zu haben.
 
DEPOT: «Überwiegend ausserhalb des Heimatmarktes tätig»
Die DEPOT-Filialen sollen verkauft werden, weil die Gries Deco Company «abseits des Migros-Kerngeschäfts stationär und online überwiegend ausserhalb des Heimmarktes Schweiz der Migros» tätig sei. Dies trotz einer erfreulichen Entwicklung, vor allem in Deutschland und Österreich. Vor allem im Online-Geschäft sei das Wachstum «besonders hoch und profitabel», so Zumbrunnen.
 
Migros: «Mittel freisetzen fürs Kerngeschäft»
Bei der Migros selbst geht es jetzt laut Zumbrunnen um «eine verstärkte Profilierung im Kerngeschäft, den Ausbau des Convenience-Segments, der digitalen Vertriebskanäle und des Gesundheits-Bereichs sowie die Weiterentwicklung der Fachmärkte Do it + Garden, OBI, melectronics, micasa, SportXX und Bike World. In diesem Zusammenhang prüfe man regelmässig die Zusammensetzung des Portfolios auf Akquisitionen und mögliche Verkäufe.
 
Zumbrunnen: «In den letzten Monaten hat die Portfolio-Überprüfung gezeigt, dass die Migros für die erfolgreiche Zukunft verschiedener Tochter-Unternehmen im stationären Non-Food Bereich bessere Eigentümer sieht. Zudem will sie Mittel freisetzen, um verstärkt in ihre strategischen Geschäftsfelder investieren zu können.»
 
An wen die Migros ihre vier Töchter verkaufen könnte, ist noch völlig offen. Zumbrunnen sagte dazu nur: «Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass wir starke neue Eigentümer finden, welche über die Basis und das Know-how für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Unternehmen verfügen.»
 
Der Schweizer Tagesanzeiger spekulierte, dass Globus eventuell an die österreichische Signa Holding (Karstadt, Kaufhof, kika-Leiner) gehen könnte und dass die Interio-Filialen bei Ikea oder Möbel Pfister landen könnten. Ob letztendlich allerdings so naheliegende Lösungen wirklich kommen, ist ebenso gewiss wie ungewiss.

Datum: 27. Juni 2019
Quelle: www.moebelnews.de